Leonie

Geb.:  Jg. 2013
Höhe: ca. 45cm
Gewicht: 16 Kg
Rasse: Border Collie Mix
Status: Zuhause gefunden
Ort: In der Schweiz

Leonie's Krimi Juli 2020

„Leonie ist verschwunden!“
Mein Herzschlag setzte für einen Moment aus. Das Horror Szenario war eingetroffen. Die Nachricht, die man als Pflegestelle von Hunden aus dem Tierschutz am meisten fürchtet: Vermittlung fehlgeschlagen, Hund ausgebüxt, weg, verschwunden. Ohne Halsband, ohne Führgeschirr, der pure Alptraum.
„Du weisst dass Du unsere einzige Hoffnung bist“, sprach Anne weiter. Ihre Stimme klang ruhig und gefasst aber ich wusste, dass sie wie ich gerade eine Herzkrise durchmachte. Als Verantwortliche des Tierschutzvereins, bei dem wir beide tätig waren liefen alle Nachrichten, gut und schlecht, bei ihr zusammen. 
„Sie wurde auf der Autobahn zuletzt gesichtet“. Fassungslos drückte ich das Handy an mein Ohr. Als ob das Verschwinden alleine nicht schon genug wäre! Es ging aber noch weiter! Anne schilderte mir kurz dass die Hündin schon seit anderthalb Tagen vermisst wurde. Erst als die Polizei involviert wurde die mit aussichtslosen Treibjagden versuchte, den verstörten Hund auf der Autobahn einzufangen, fanden es die neuen Besitzer angebracht, den Verein zu informieren. Aber auch dies erst 5 Stunden nach der erfolglosen Polizeiaktion. Es wurde vermutet, dass sich Leonie in der dichten Böschung entlang der Autobahn versteckt hielt. Bei der nächsten Sichtung wollte man sie erschiessen.

Ich schluckte den ersten Anflug von grenzenloser Wut, Enttäuschung und Unglauben über die neuen Besitzer von Leonie herunter. Weshalb hatten sie mich nicht sofort informiert wo sie doch wussten, dass ich die einzige Vertrauensperson von Leonie war? Jetzt galt es ruhig zu bleiben und einen Plan zu fassen. Überstürzt verabschiedete ich mich von meinen Freundinnen, mit denen ich gerade aus einer Weiterbildung in den Feierabend gezogen war. Im Zug nach Hause hatte ich Zeit, mit dem Besitzer von Leonie Kontakt aufzunehmen und mir die Ereignisse schildern zu lassen. Ich erklärte ihm dass ich noch am selben Abend kommen würde und er mich zu der Stelle an der Autobahn führen sollte, wo man Leonie als letztes gesehen hatte. Er fand dies offensichtlich aussichtslos und mühsam, zeigte sich aber dennoch bereit dazu.

Zuhause angekommen packte ich eine Tasche mit allem Nötigen für Leonie aber auch für mich. Ich bereitete mich auf eine lange Nacht vor und genau dies bereitete mir etwas Sorgen. Denn die Nacht zuvor hatte ich sehr schlecht geschlafen, tagsüber kaum etwas gegessen. Ich hoffte meine Kräfte würden für diese unerwartete Aktion ausreichen. Meinen beiden Hunden Faramir und Cayo erklärte ich die Situation und dass ich jetzt voll und ganz auf sie zählte. Sie sollten mitkommen und bei der Suche helfen. Ich war auf ihre Hilfe angewiesen. Mit einem tiefen Seufzer verabschiedete ich mich von meinem Lebenspartner der mich von Zuhause aus moralisch unterstützen wollte. So fuhren wir los, mitten in den Feierabendverkehr. Unterwegs beschwor ich alle mir zur Verfügung stehenden Kräfte und wies sie an, diese Geschichte zu einem Happyend zu führen. Noch nie zuvor hatte ich so klare und eindringliche Anweisungen ins Universum geschickt. Ich hatte keine Zweifel: Wenn es Sinn der Sache war, dass ich Leonie helfen konnte, würde ab jetzt alles klappen und sich fügen.  

In Rekordzeit von nur einer Stunde flitzte ich durch praktisch leere Strassen, die im abendlichen Pendelverkehr normalerweiseheillos verstopft und nicht unter 2 Stunden zu schaffen waren. Die Besitzer von Leonie standen schon bereit als ich bei ihnen Zuhause vorfuhr. Sie wirkten aufgeschreckt und leicht irritiert darüber, dass sie aktiv in die Suche ihres Hundes involviert wurden. Ich diskutierte nicht, wir fuhren unverzüglich mit zwei Autos los und sie führtenmich zu der Stelle, wo Leonie das letzte Mal gesichtet worden war. 
Vor Ort zeigte sich ein neues Problem. Leonie hatte offenbar mehrmals die Autobahn überquert (und überlebt!!), wir mussten also beide Seiten absuchen. Aber endlich bekam ich ein Gefühl dafür, wie ich die Sache anpacken konnte. Auf beiden Seiten der Autobahn gab es eine dichte, kilometerlange Böschung. In erhöhter Lage auf der anderen Seite des 2.5 Meter hohen Zauns gab es je einen gut begehbaren Fussweg, unmittelbar der Böschung entlang. Ich machte mir keine Gedanken darüber, wo ich anfangen sollte zu suchen. Während des Laufens würde ich zu wissen bekommen ob wir richtig lagen. Wir marschierten los, Faramir und Cayo stoben glücklich davon, sie lieben ihnen unbekannte Wege. Linker Hand floss die Reuss entlang unseres Weges, ein beliebter Badefluss, der durch die starken Regenfälle des Vortages ein reissendes Gewässer war. Heute aber hatten wir mit dem Wetter Glück. Es war ein angenehm lauwarmer Sommerabend, trocken und es würde noch zwei Stunden lang hell sein.
Nach einer Stunde erfolglosen Suchens und Rufens war klar, dass wir uns auf der falschen Seite befanden. Das Gebüsch war zu dicht, Dornen verhangen. Blickte ich hinüber auf die andere Strassenseite hatte ich das Gefühl dass die Sträucher freundlicher wirkten, einladender und der Grüngürtel breiter. Wir kehrten um.
Als wir zurück bei den parkierten Autos waren brauchte ich von dem Ehepaar eine Pause. Ich fühlte mich durch sie in meiner Wahrnehmung gestört und wollte mich kurz sammeln. Unter dem Vorwand, die Hunde schnell am Fluss trinken zu lassen, verschwand ich im malerischen Wäldchen, das den Fluss säumte. Und hier kam es zu einem Zwischenfall der so eindrücklich war dass ich mir sagen musste, o.k. Simone, hör auf zu denken, alles nimmt seinen Lauf,Alles kommt gut. 

Cayo sprang völlig unerwartet und entgegen seines Naturells in die Fluten. Nie und nimmer hatte er die Chance, gegen die Strömung des Flusses anzukommen. Reflexartig packte ich eine starke Wurzel am Ufer um mich zu sichern und sprang hinter meinem Hund her, kriegte ihn gerade noch an seinem Führgeschirr zu fassen und zerrte ihn zurück aufs Trockene. Er schüttelte sich kurz und sprang fröhlich um mich herum, als sei nichts geschehen. Das Ganze hatte nur ein paar Sekunden gedauert. Ich hatte keine Zeit über den Vorfall nachzudenken. Aber ich wusste, dies war zu ungewöhnlich als dass es Zufall sein konnte. Ich würde dem Ereignis zu einem anderen Zeitpunkt nachgehen.

Offenbar waren wir doch länger weg gewesen als ich geglaubt hatte denn zurück beim Auto erwartete mich das Ehepaar ungeduldig. Jetzt galt es, auf die andere Seite der Autobahn zu kommen. Wieder beschenkte uns das Glück. Ich hatte mich auf einen komplizierten weiten Umweg eingestellt aber nur 100 Meter weiter führte eine Brücke über die Autobahn zu einem Parkplatz führ Wanderer. Von dort aus führte eine breite, verkehrsfreie Strasse kilometerweit der Autobahn und der Böschung entlang, in der ich Leonie vermutete. Einfacher ging es unter den gegebenen Umständen wirklich nicht! Beschwingt und frohen Mutes marschierte ich los. Ich rief nach Leonie, lockte, sprach laut mit ihr und führte im Stillen eindringliche Gespräche mit ihr. Ich wusste dass mein Partner zu Hause dasselbe tat, über ein Foto gebeugt, sie intensiv bat auf mich zu hören, zu tun was ich ihr sagte und auf die anderen Hunde zu achten, damit Faramir und Cayo mit ihr Kontakt aufnehmen konnten.

Es begann bereits zu dämmern als ich eine zarte Bewegung auf der anderen Seite des Zauns wahrnahm. Scheu und auf leisen Pfoten schlich sich Leonie aus dem Gebüsch in meine Richtung. Sie war da! Ich konnte mein Glück kaum fassen. Nur eine kurze Unaufmerksamkeit von mir und ich hätte sie verpasst! Faramir und Cayo begrüssten sie sofort freudig durch den Zaun. Ohne nachzudenken kletterte ich hinüber und näherte mich ihr vorsichtig, voller Angst, sie könnte wieder erschrecken und davonlaufen. Aber Leonie war einfach nur glücklich mich zu sehen, zeigte keinerlei Scheu und liess sich willig Halsband und Führgeschirr samt Leine anziehen. Als das geschafft war setzte ich mich hin und atmete tief durch. Das Wunder war geschehen, Leonie war gerettet.

Nun musste ich nur wieder zurück über den hohen Zaun kommen, samt Hund. Von dem unsportlichen, älteren Ehepaar war keine Hilfe zu erwarten. Also bat ich die Frau die Polizei zu benachrichtigen, die würden schon eine Lösung finden. Den Mann schickte ich mein Auto holen, denn ich wollte auf keinen Fall mit Leonie noch weit wandern müssen. Und noch etwas machte mir jetzt Sorgen. Ich wollte Leonie wieder mit zu mir nach Hause nehmen. Ich fürchtete einen Machtkampf mit den Leuten den ich nur gewinnen konnte wenn ich die Hündin kommentarlos, so schnell wie möglich in mein Auto verfrachten konnte. 

Die Polizeifuhr schon nach kurzer Zeit tief unter uns auf der Autobahn mit Blaulicht vor. Zwei junge sympathische Polizisten entstiegen ihm. Ruhig und gelassen erklommen sie die steilen Stufendie an dieser Stelle in die Böschung gebaut waren. Locker zückte einer der beiden einen Schlüsselbund und öffnete mir eine die Tür die in den Zaun eingelassen war. So einfach war das! Ich musste lachen. Die beiden Polizisten verwickelten das Ehepaar sofort in ein Gespräch, sie hatten viele Fragen zum Vorfall. Der Augenblick war für mich günstig. Ich nahm meine Leonie, führte sie zum Auto und lud sie in die Hundebox. Auch Faramir und Cayo sprangen zufrieden hinein. Wieder war ein Meilenstein dieser Rettungsaktion überwunden.

In der Zwischenzeit war die Polizistin zu mir getreten um mir beim Einladen der Hunde zu helfen. Sie wunderte sich wer ich war und dass die Polizei von mir nichts wusste. Denn als die neuen Besitzer von Leonie morgens früh von der Polizei benachrichtigt worden waren dass sich ihr Hund auf der Autobahn befand, hatte man sie offenbar gefragt, ob sie ein vertrauensvolles Verhältnis zur Hündin hätten und beim Einfangen mithelfen könnten. Das Ehepaar hatte dies verneint und nicht für nötig befunden mich zu erwähnen. Es war für die Polizistin klar dass ich Leonie unter den gegebenen Umständen wieder zu mir nehmen wollte. Falls es mit den Leuten Probleme geben würde sei sie da um mich zu unterstützen, beruhigte sie mich.

Zusammen traten wir zu den anderen die verstummten und mich erwartungsvoll anschauten. „Ich werde Leonie wieder mit zu mir nehmen“, erklärte ich mit fester Stimme und schaute dem Ehepaar in die Augen. Und wieder überraschten mich diese Leute. „Das ist ja klar“, sagte der Herr. „Diese Verantwortung, nein, das schaffen wir nicht. Man stelle sich vor was sonst noch alles passieren könnte!“ Ich war platt. „Das ist für sie einfach so klar?“ fragte ich ungläubig. „Aber ja“, bekräftigten nun beide. Du meine Güte. Diese Leute wollten Leonie so schnell wie möglich los werden und waren sichtlich froh darum, dass ich ihnen das „Problem“ abnahm. Nun, mir sollte es recht sein. Die Verabschiedung fiel kurz aus. 

Bevor ich los fuhr musste ich unbedingt Anne benachrichtigen. Ich wusste sie würde ausflippen vor Freude. Wie schön, wenn man Überbringerin einer solch wunderbaren Nachricht sein darf! Anne konnte sich denn auch kaum fassen vor Glück. Mein Partner freute sich auch sehr, war aber nicht wirklich erstaunt über den positiven Ausgang der Geschichte. 

Und Leonie? Die süsse Hundedame istzufrieden mit sich selber. Sie hatteerreicht was sie wollte denn natürlich darf sie bei uns bleiben. Es ist als wäre sie nie weg gewesen, das Hunde-Katzenrudel bleibt auch nach ihrem erneuten Einzug harmonisch, alles fühlt sich richtig an. Sie vertraut uns nun vollständig und es ist süss zu beobachten wie sie sich immer wieder uns zuliebe zu Dingen überwindet, die ihr eigentlich noch nicht geheuer sind. 

 Der kurze Schreckmoment mit Cayo liess mir keine Ruhe. Meine Freundin Hildegard, die eine enge Bindung zu Cayo hatt, erklärte sich bereit mit ihm zu sprechen. Seine Botschaft war lang und die Essenz daraus:

 „Helfen wo Not am Hund ist – sofort und zu jeder Zeit – das ist Simone's Leitspruch für's Leben. Das Reuss-Schwimmen diente nur dem Timing, damit mit Leonie alles klappte. Es geht um sekundengenaue Steuerung...! Und damit Simone beim Retten spürt wie kraftvoll sie ist und welche Helfer mit ihr sind. Das ist alles was Du wissen musst.“

Mit Cayo's Aussage war nun auch klar, dass ich mich über die Versäumnisse von Leonie's Besitzern nicht aufzuregen brauchte. Alles machte Sinn und so fühlte es sich auch an. Was, wenn mich die Leute sofort benachrichtigt hätten und ich Leonie, die ja am ersten Tag noch nicht auf der Autobahn war, völlig ohne Drama hätte einfangen können? Hätte ich sie dann auch so selbstverständlich mit nach Hause genommen oder doch eher die Leute noch einmal instruiert und ihnen ins Gewissen geredet? Leonie und wer auch immer noch in dieser Geschichte Regie führte, sie alle wussten genau dass sie sich etwas einfallen lassen mussten um das gewünschte Ziel zu erreichen. Aber welches Ziel? Dass Leonie bei mir bleiben durfte? Was noch? Darüber werde ich noch etwas zu brüten haben.... 

Leonie's ursprünglicher Steckbrief:
 Leonie ist eine ca. 7 Jahre alte Hündin, die wir von der Tötungsliste des öffentlichen Shelters Unirea in Bukarest gerettet haben, kurz bevor es zur Euthanasie gekommen wäre. Sie ist eine ruhige Hündin, freundlich, unkompliziert, am Anfang mit Fremden sehr skeptisch, lässt sich aber schnell mit Leckerlies überzeugen. Mit Artgenossen ist sie gut sozialisiert. Leonie ist entwurmt, gechipt, geimpft, und kastriert.

Pflegehund Leonie  Pflegehund Leonie  Pflegehund Leonie  

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Pflegebericht vom 30. Mai 2020:

Leonie lebt nun seit 2 Wochen bei uns und hat sich friedlich in das Rudel von 4 Hunden und 4 Katzen integriert. Sie war von Anfang an stubenrein. Die sanfte Hundedame hat ein sehr zartes Gemüt, ist noch scheu und höchst sensibel. So ängstigt sie sich noch vor der Leine und vergnügt sich lieber im Garten als auf einem Spaziergang. Doch schlummert in ihr die Neugierde, sie ist hellwach und lernt schnell. Täglich macht sie Fortschritte und zeigt grosses Vertrauen in ihre Pflegeeltern. Auch wenn sie das Streicheln noch nicht völlig entspannt geniessen kann ist sie sehr anhänglich und folgt einem auf Schritt und Tritt.
Der Alltag mit dieser wunderschönen Hündin ist sehr unkompliziert. Sie geht selbstständig im Haus und Garten ein und aus, frisst gut, bellt nie, geniesst die schattigen versteckten Plätzchen im Garten und sie kann auch mal eine Stunde alleine sein, sofern man sie mit den anderen Hunden zusammen lässt. Am Abend liebt sie es, in ihrem kuschligen Bett nahe bei ihren Menschen zu liegen.
Wir wünschen uns für Leonie ein ruhiges Zuhause mit eingezäuntem Garten, damit sie in ihrem Tempo ankommen kann. Ihre Menschen sollten viel Zeit für sie haben und Geduld mitbringen, denn dieses Hundeherz will erobert werden. Auch muss Leonie noch alles vom Hunde-ABC lernen. Sie braucht unbedingt Kontakt zu Artgenossen und ein souveräner Zweithund wäre für sie eine grosse Hilfe. Wir sind überzeugt dass in Leonie eine kleine Sportskanone schlummert und sie zu gegebener Zeit  grosse Freude an angemessener Auslastung haben wird. Wer Leonie’s Herz erobert wird eine treue Freundin für’s Leben haben. Wer gibt ihr die Chance, die sie so sehr verdient?
Hundebetreuung Aathal

Simone Gloor | FBA Hundebetreuerin
Heusbergstrasse 54, 8607 Aathal-Seegräben

043 928 07 40
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